Martin Opitz (1597-1639)

Francisci Petrarchae (1624)

Ist Liebe lauter nichts / wie dass sie mich entzündet?
Ist sie dann gleichwol was / wem ist jhr Thun bewusst?
Ist sie auch gut vnd recht / wie bringt sie böse Lust?
Ist sie nicht gut / wie dass man Frewd’ aus jhr empfindet?

Lieb’ ich ohn allen Zwang / wie kann ich Schmertzen tragen?
Muß ich es thun / was hilfft’s dass ich solch Trawren führ’?
Heb’ iches vngern an / wer dann befihlt es mir?
Thue ich es aber gern’ / vmb was hab’ ich zu klagen?

Ich wancke wie das Graß so von den kühlen Winden
Vmb Vesperzeit bald in geneiget wird / bald her:
Ich walle wie ein Schiff das durch das wilde Meer

Von Wellen vmbgejagt nicht kann zu Rande finden.
Ich weis nicht was ich wil / ich wil nicht was ich weis:
Im Sommer ist mir kalt / im Winter ist mir heiß.



Andreas Gryphius (1616-1664)

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Die Hölle (1658)

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Ach! und Weh!

Mord! Zeter! Jammer, Angst, Kreuz! Marter! Würmer! Plagen.

Pech, Folter! Henker! Flamm! Stank! Geister! Kälte! Zagen!

Ach vergeh!

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Tief’ und Höh’!

Meer! Hügel! Berge! Fels! Wer kann die Pein ertragen?

Schluck Abgrund! Ach schluck’ ein! die nichts denn ewig klagen.

Je und Eh!

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Schreckliche Geister der dunkelen Höhlen, ihr, die ihr martert und Marter erduldet;

Kann denn der ewigen Ewigkeit Feuer nimmermehr büßen dies, was ihr verschuldet?

O grausam’ Angst, stets sterben sonder sterben!

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Dies ist die Flamme der grimmigen Rache, die der erhitzete Zorn angeblasen:

Hier ist der Fluch der unendlichen Strafe; hier ist das immerdar wachsende Rasen:

O Mensch! Verdirb, um hier nicht zu verderben.